
Ein Jahr Zentrika: Von Luft in der Box und dem Preisk(r)ampf auf Amazon – Ein ehrlicher Rückblick
Ein ehrlicher Rückblick über Fehler, Kosten und die Realität als Indie-Spieleverlag.
Sprechen wir mal über Fehler
Mir persönlich wird zu viel über Erfolge berichtet. Wie viele tolle Bewertungen hat dieses Spiel erhalten oder wie oft wurde Jenes bereits verkauft. Zu selten wird etwas über die andere Seite geschrieben: Fehler, Misserfolge und vielleicht auch Pannen.
Zentrika ist am 22.November 2026 genau ein Jahr auf dem Markt und ich finde es ist Zeit, mal über Fehler und Schwierigkeiten zu berichten, auf die ich im letzten Jahr gestoßen bin.
Warum in der Zentrika-Box so viel Luft ist
Kommen wir direkt zu einem der größten Kritikpunkte an dem Spiel, die Spielboxgröße und dem -inhalt. Warum das Spiel so groß ist, wie es ist, lässt sich leicht erklären:
Mit den beiden Spielen Zentrika und Zentrika Junior habe ich mich dazu entschieden den Einstieg in die Welt der Gesellschaftsspiele-Verlage zu machen. Ohne Erfahrung, ohne zu Wissen, ob die Spiele auch nur ein einziges mal verkauft würden, in Nebentätigkeit, komplett auf eigenes Risiko. Um das Gesamtrisiko also klein zu halten, habe ich mich hier auf Anraten des Produzenten (Ich lasse meine Spiele auf Grund der notwendigen Expertise professionell herstellen) zu einer Standardboxgröße entschieden. Diese sind deutlich günstiger, als maßgeschneiderte Spielboxen. Die Box ist in der Höhe schlussendlich zu groß für den Inhalt und erzeugt dadurch bei einigen Käufern Enttäuschung.
Der zweite Fehler betrifft den Block. Erst mit dem Nachdruck habe ich auch einen doppelseitigen Spielblock als Ersatzblöcke in Auftrag gegeben. 50 Blatt einseitig bedruckt empfinden viele Leute verständlicherweise als Verschwendung, aber auch hier waren die Kosten der Grund für diese Entscheidung.
Was ich daraus gelernt habe: Es ist besser, von Anfang an etwas mehr in die Komponenten zu investieren. Sollte Zentrika eine 2. Auflage erhalten, würde ich diese beiden Punkte definitiv mit umsetzen! Dass ich aus Fehlern lerne, zeigt hoffentlich ein Blick auf mein neues Spiel. Denn für ZEN-TRI-CARDS habe ich bereits auf einen passenden Karton geachtet.

Das Amazon-Dilemma: 11,99 € oder 14,99 €? Was kostet es denn nun?
Mangels anderer Vertriebskanäle werden meine Gesellschaftsspiele größenteils online über Amazon verkauft. Den Anfangs-UVP von 14,99 € konnte ich bereits nach einigen Monaten auf 11,99 € herunter bringen (Den Käufern sei dank!). Allerdings nahmen viele Leute, die auf Amazon gekauft haben lange an, dass der UVP weiterhin bei 14,99 € liegt und haben den Preis zusammen mit dem oben beschriebenen Punkt mit der Spielbox kritisiert.
Diese Wahrnehmung liegt an den Möglichkeiten wie man auf Amazon als Verkäufer auftreten kann. Man kann Produkte selbst an den Endkunden versenden oder man überlässt Amazon die Versandabwicklung, dh. die Spiele lagern auch bei Amazon direkt. Bei beiden Wegen verlangt Amazon eine Verkaufsgebühr, bei Letzerem noch zusätzlich Versandgebühren. Da der Weg über Amazon durch das "Prime" Siegel zwar mehr Käufer anlockt, für mich aber insgesamt teurer ist, ist hier der Preis auch höher, damit ich ungefähr den gleichen Ertrage erzielen kann. Und genau das stört viele Käufer: Durch das Prime Siegel nehmen sie an, dass Amazon selber die Verkäuferin ist und bemängeln den höheren Preis. Genau aus dem Grund habe ich anschließend das Angebot mit Versand über mich selbst wieder aktiviert, um hier eine Preistransparenz zu schaffen. Die Leute sollen sehen, dass es zwar zweimal der selbe Verkäufer ist, der dort steht, aber beim einen mal 11,99 + Versandkosten ist und das andere mal (aktuell) 13,99 € ohne Versandkosten.
Warum Transparenz für einen Indie-Verlag so wichtig ist
Es wäre schön, wenn ich den Blog-Beitrag hiermit enden lassen könnte. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich auch in den Produktangeboten Fehler gemacht habe. Ich habe gelernt, dass es essentiell ist absolut transparent zu sein, denn einige Käufer und Käuferinnen haben das Produkt auf Grund des Preises mit einer anderen Vorstellung gekauft und waren anschließend enttäuscht. Weil ich anhand der Rückmeldungen gemerkt habe, dass sie viele der Infos zu Shooting Frog Games gar nicht kannten, habe ich diese transparenter in die Produktangebote geschrieben: Es handelt sich um einen Indie-Kleinverlag, die Spiele werden in Kleinauflage produziert, die Produktion erfolgt in der EU. Deshalb sind die Brettspiel-Produktionskosten höher als bei den Großverlagen. Ob die zusätzlichen Angaben geholfen haben, kann ich nicht messen. Gefühlt haben die Verkäufe seitdem etwas abgenommen, aber gleichzeitig sind die kritischen Stimmen auch weniger geworden. Und das ist für mich absolut in Ordnung so, denn es ist mir wichtig zufriedene Kunden zu haben, die wissen was sie kaufen und gerne einen Indie-Spieleverlag unterstützen.


Danke für die ehrlichen Worte. Finde es interessant woran man da alles denken muss, hätte ich gar nicht gedacht.